Internationales Erbrecht – Vermögen im Ausland

Der Wunsch nach einer eigenen Ferienimmobilie im Ausland wird immer häufiger realisiert. Die Immobilie in Italien oder auf Mallorca zählt zu den Favoriten der deutschen Eigentümer, wobei eine deutliche Zunahme von Immobilienerwerbungen in der Türkei und Marokko feststellbar ist.

Wenn das Berufsleben dem Ende zugeht, steht einem entspannten Lebensabend nichts mehr im Wege. Der Traum von der Auslandsimmobilie soll sich nicht zum Albtraum entwickeln, wenn die Immobilie vererbt werden soll, bzw. auf Abkömmlinge im Wege der vorweggenommenen Erbfolge übertragen werden soll. Um Zeit und kostenintensive Überraschungen zu vermeiden, sollte der Eigentümer rechtzeitig Vorsorge getroffen haben.

Beim „Vererben“ von Immobilien gilt in manchen Staaten das sog. Lagerecht (beispielsweise in Frankreich, Belgien und USA). Dies bedeutet, dass die Immobilie im Erbfall dem jeweiligen Landesrecht unterliegt, auch wenn der Erblasser Deutscher war oder in Deutschland gewohnt hat. Dies stellt dann kein Problem dar, wenn die Rechtsordnungen und ihre Regeln ähnlich dem deutschen Recht wären, und eine effiziente kostengünstige Nachlassabwicklung möglich wäre. Dies trifft aber nur selten zu, es kann dann zur Nachlassspaltung kommen. Französische Immobilien sollten daher dringend in eine Gesellschaft eingebracht werden.

Die ausländischen Rechtsordnungen haben oft völlig andere Wertvorstellungen als das deutsche Recht. Letztwillige Verfügungen (Testamente, Ehegattentestament, Erbverträge) können dann teilweise im Ausland nicht eingesetzt werden.

Das französische Recht verbietet Erb- und Pflichtteilsverzichte zu Lebzeiten des Erblassers, sowie Erbverträge und gemeinsame Testamente. Gerade diese erbrechtlichen Gestaltungen sind im deutschen Erbrecht fest verankert und kaum wegzudenken.

Auch die Rechte von Pflichtteilsberechtigten können anders gestaltet sein. Hier sieht etwa das französische Recht ein sog. Noterbrecht vor, was bedeuten kann, dass der Pflichtteilsberechtigte fortan zur Erbengemeinschaft zählt. Dies hat zur Folge, dass der Pflichtteilsberechtigte bei der Nutzung der Villa oder Ferienwohnung ein Mitspracherecht hat. Die Einbringung der französischen Immobilie in eine Gesellschaft ist dann die Lösung.

Eine weitere Falle kann die Form des Testaments sein. So ist z.B. in Florida das in Deutschland gebräuchliche handschriftliche Testament nichtig, wenn nicht mindestens zwei neutrale Zeugen die Echtheit der Unterschrift des Erblassers bestätigen, in Frankreich ist beim Erbfall der deutsche Erbvertrag unpassend.

Sollen Auslandsimmobilien bei ausländischen Behörden auf den künftigen Erben umgeschrieben werden, müssen deutsche Dokumente in jedem Falle in die jeweilige Landessprache übersetzt werden. Sinnvoll kann es sein, ein formgültiges Testament in der Landessprache abzufassen, wobei dieses auch die landesspezifischen Bestimmungen berücksichtigen muss. Die Effizienz des Testaments eines Deutschen in der Landessprache ist allerdings begrenzt.

Im Erbfall, aber auch bei einer vorherigen Schenkung, berechnen die meisten Staaten Erbschaft- oder Schenkungsteuer für die in ihrem Hoheitsgebiet liegende Immobilie. Der deutsche Fiskus verlangt ebenfalls seine Erbschaftssteuer – der Erbe zahlt dann oft zweimal Steuern, wobei die ausländische Erbschaftsteuer überwiegend von den deutschen für den Auslandserwerb in Abzug gebracht wird. Zum Teil geben ausländische Rechtsordnungen einen wesentlichen höheren Steuersatz vor.

Die Erbrechtskanzlei Eulberg & Ott-Eulberg berät Sie bei der Planung und Durchsetzung.